Jüdische Kultur auf Hebräisch

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"Groningens Israel": Ali Cohen und die Kultur der Juden


1840 promovierte Levy Ali Cohen.

Levy Ali Cohen verfasste 1843 ein Buch über den Dichter des Buches Job als Zoologe Titelseite des Buches, das Levy Ali Cohen 1843 über den Dichter des Buches Job als Zoologe schrieb.
(RHC GrA Tg 1769 invnr. 4569)
Er fühlte sich Zeit seines Lebens der jüdischen Tradition und dem jüdischen Volksteil in "Groningens Israel" verbunden, wie er seine geliebte Stadt nannte. Die Ideen und Ansichten, die er sich in seinem Studium zueigen gemacht hatte, wollte er jetzt in die Praxis umsetzen. Schon bald war er eine bekannte Persönlichkeit in der jüdischen Gemeinschaft.

Ali Cohen setzte sich dafür ein, die intellektuelle Entwicklung der Juden auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen. Erst dann konnten seine "Israelitischen Niederländer" vollwertige Staatsbürger werden. Auch in dieser Hinsicht wird der Professor Theodorus Van Swinderen eine wichtige Rolle gespielt haben, der in seiner Funktion als Schulaufseher Jahrzehnte früher bereits eine bedeutende Rolle bei der Gründung der Schule Tipereth Bachurim gespielt hatte.

Zahlreiche Artikel über Juden


Levy Ali Cohens Theorien waren jedoch sicherlich denen des deutschen Philosophen Johann Gottfried Herder (1744–1803) verbunden. Diesem Philosophen zufolge war die Menschheit verteilt in Nationen und Völker, die jeweils ihren eigenen Beitrag für den Fortschritt der Zivilisation leisteten. Außer über Araber und die "Negerrasse" schrieb Ali Cohen zahlreiche Artikel über Juden. Darin wollte er nachweisen, zu welchen großen wissenschaftlichen und kulturellen Ergebnissen die jüdische Tradition in der Vergangenheit und der Gegenwart geführt hatte. Er betonte dabei vor allem die Rolle der Juden in der Medizin, wo sie eine führende Rolle spielten und für große Fortschritte gesorgt hatten.

Bereits 1843 plädierte Ali Cohen für die Gründung einer Gesellschaft für die Zivilisation der niederländischen Juden. Diese sollte das Pendant einer bereits bestehenden christlichen Gesellschaft bilden, in der Juden nicht die Mitgliedschaft erlangen konnten.

Voller Tatendrang


Im Jahre 1849 sollte eine solche Gesellschaft gegründet werden. Außerdem widmete er sich voller Tatendrang dem Studium der jüdischen Literatur als Methode, den Charakter des jüdischen Volkes ergründen zu können. In diesem Zusammenhang gründete er 1848 mit seinem jüngeren Freund Abraham Hartog IsraŽls (1822–1883) die Gesellschaft für hebräische Sprach- und Literaturwissenschaft. Diese Gesellschaft wurde zu einem Ort der Begegnung für liberale Juden, die dort Pläne für verwaltungstechnische und soziale Reformen der jüdischen Gemeinschaft entwickelten. Gelegentlich wurden sogar Frauen zugelassen, was in jener Zeit, sogar in solch liberalen Kreisen, nicht selbstverständlich war.
Ansichtskarte der Oude Boteringestraat Die vornehme Oude Boteringestraat war bei der Groninger Elite eine beliebte Straße; auch Levy Ali Cohen wohnte hier mit seiner Familie.
(RHC GrA collectie prentbriefkaarten invnr. 212)
Durch sein Studium und seine Beziehungen zur intellektuellen Elite von Groningen erwarb Levy Ali Cohen eine prominente Stellung im Groninger Bürgertum. Dieser Stand war durch Wissen und soziale Stellung vorbestimmt, die Führung zu übernehmen. Es war abzusehen, dass er eine Rolle in der Verwaltung der Kehilla Groningen spielen würde. Im Jahre 1843 ernannte man ihn zum Sekretär der Israelitischen Schulkommission, 1844 zum Mitglied des "Kirchenrates" (der allgemeine Vorstand der jüdischen Gemeinde) und 1845 wurde er zum Mitglied des nationalen Prüfungsausschusses für israelitische Religionslehrer in Amsterdam berufen.

Vor allem seine Mitgliedschaft zweier Unterrichtseinrichtungen bot ihm eine ausgezeichnete Plattform, seine Ideen über die Zivilisation der Juden mit praktischem Leben zu füllen.
Levy Ali Cohen mit seiner Familie circa 1863 Levy Ali Cohen mit seiner Frau Minna DaniŽls und (von links) den Kindern Alexander, Adelgonde, Eduard und Charles Henri um 1863.
(Foto: Privatbesitz)

Arbeit als "Armenarzt"


Trotz seiner zahlreichen Verwaltungsfunktionen fand Ali Cohen Zeit, jüdische Studenten zu begleiten und jüdischen Ärzten auf dem Land beizustehen. Und seine Arbeit als "Armenarzt" der jüdischen Gemeinde bewahrte ihn vor dem Status eines Studierzimmergelehrten.
In dieser Arbeit versuchte er, die Anfälligkeit armer Juden für Krankheiten durch Verbesserung der Hygiene zu senken. Die romantischen Ideen seiner Studentenzeit wandelte er so in eine politische Waffe um, die Emanzipation der Juden und die Verbesserung der Situation der Armen.