Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Die jüdische Sportbewegung


Die nationalistischen deutschen Turnvereine des späten 19. Jahrhunderts grenzten Juden grundsätzlich aus. Viele Juden suchten dennoch gesellschaftliche Anerkennung in den Sportvereinen. Der erste jüdische Turnverein "Bar Kochba Berlin" entstand im Jahr 1898.

Das Zeichen des Sportvereins Makkabi Das Zeichen des Sportvereins Makkabi.
Die jüdische Sportbewegung erlebte seit der Jahrhundertwende von 1900 einen Gründungsboom als Zeichen einer neuen, selbstbewussten jüdischen Identität. Unterschiedliche Strömungen waren in der Abwehr antisemitischer Zerrbilder einig: Körperliche Leistung konnte als "lebendiges Zeugnis" eines starken Judentums herausgestellt werden. Das jüdische Bürgertum sah oftmals in den von englischen Vorbildern geprägten Sportmoden eine Verkörperung seiner Ideale.

Aber auch in der Weimarer Republik blieben die jüdischen Vereine wichtig für junge deutsche Juden – der Antisemitismus in den traditionellen Sportvereinen war mit der Entstehung der demokratischen Weimarer Republik nicht ausgestorben. Gerade in der jüdischen Jugendbewegung wurde das Angebot dieser Klubs begeistert aufgenommen; die 1920er Jahre wurden zu ihrer Blütezeit.
Erich Gottschalk mit einer Fußball-Schülerriege Erich Gottschalk mit einer Fußball-Schülerriege aus Bochum.
Foto: Privatarchiv A. Eiynck

Die Weimarer Republik als Blütezeit des jüdischen Sports


1923 wurde zunächst in Essen und anschließend auch in Bochum, Dortmund und Recklinghausen der jüdische Sportverein "Hakoah" ("Die Kraft") gegründet. Außer "Hakoah" gab es noch die Vereine "Makkabi", "Bar Kochba" und "Schild". "Makkabi" und "Bar Kochba" erinnerten durch ihre Namen an altjüdische Freiheitskämpfer und waren nationaljüdisch (zionistisch) orientiert. Die Makkabi-Sportler trugen zum Zeichen dafür den Davidstern auf ihren Trikots, während der stärker auf Assimilation bedachte Verein "Hakoah" sich mit einem großen "H" begnügte. Die Mitglieder der Bochumer "Hakoah" gingen allerdings mit ihrer selbstbewussten jüdischen Identität offensiver um als ihre Essener Vereinskollegen und trugen ebenfalls den Davidstern auf dem Trikot.

Der Sportverein "Schild" ging aus dem "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" (RjF) hervor und wurde 1925 gegründet. "Schild" galt im Sinne des selbstbewussten Deutschtums der einheimischen Juden als "wütender Kämpfer gegen Zionismus und nationales Judentum".
Bereits 1925 schlossen sich diese unterschiedlichen Gruppierungen zu einem Gesamtverband mit dem Namen VINTUS zusammen. 1926 begannen die Ligaspiele im Fußball, bei denen Bochum führend war.
Nach dem Spiel "Nach dem Spiel" – Erich Gottschalk (vorne rechts) mit seiner Mannschaft.
Foto: Privatarchiv A. Eiynck

Zuflucht nach 1933


Nach 1933 boten die jüdischen Vereine auch den etwa 20.000 Sportlern eine Zuflucht, die noch vor entsprechenden staatlichen Anweisungen aus den anderen Vereinen ausgeschlossen wurden. Fast alle Vereine schlossen sich nun dem "Makkabi" an. Im November 1938 wurden alle jüdischen Sportvereine, für viele die letzten Inseln normalen Lebens innerhalb täglicher Erniedrigungen, verboten.