Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Die Erziehung der eigenen Kinder


Clara hatte deutliche Vorstellungen von Kindererziehung. Aber sie musste diese Ideen auch in die Tat umsetzen, da sie sechs Kinder hatte, die sie allein erziehen musste...

Das erste Haus in Groningen Das erste Haus der Familie Asscher-Pinkhof in Groningen, am Korreweg.
Photo: Marcel Wichgers
Es kostete Clara ziemlich viel Mühe, ihre Kinder nach der jüdischen Tradition zu erziehen, wie sie es sich nach dem Tod ihres Mannes Avraham fest vorgenommen hatte. "Da mein Haus das Haus von Avraham war, musste ich wohl durchsetzen, dass die jüdischen Gesetze in Bezug auf Essen und die Sabbatruhe in diesem Haus gepflegt wurden, aber über die Prinzipien, über das, was wohl oder nicht akzeptiert werden konnte, führten wir heftige Diskussionen, und wenn sie (ihre Kinder) mit ihren jungen und radikalen Ansichten meiner Meinung nach Recht hatten, so pflichtete ich ihren Argumenten bei."

Gegen autoritäre Eltern


Clara war der Meinung, dass Eltern nicht autoritär sein sollten. Sie legte mehr Wert auf das Gespräch. Dem Schulleiter ihrer Kinder zum Beispiel gefielen die Ansichten Claras überhaupt nicht. Nachdem er bemerkt hatte, dass Jitschak und Meier ihre Hausaufgaben entgegen den Regeln gegenseitig aufteilten, sagte er Clara: "Es fehlt etwas der Daumen, unter dem Sie sie halten müssen, nicht wahr?" Clara gab dies zu, erzog ihre Kinder aber weiterhin einfach auf ihre Art und Weise. Dafür genoss sie viel zu sehr die "Offenheit und den Spaß" zwischen ihr und ihren Kindern.
Das zweite Haus in Groningen Das zweite Haus in Groningen, an dem Petrus Campersingel.
Photo: Marcel Wichgers

Selbstkritik


Dennoch war sie selbst der Meinung, dass sie Fehler bei der Erziehung ihrer Kinder machte. Ereignisse, die eigentlich nur nebensächlich waren, konnten Clara ihr ganzes Leben lang im Magen liegen. So machte sie den "Fehler", ihren zweijährigen Sohn Jitschak als einzigen ihrer Kinder nicht vor dem Schlafen zuzudecken. Er schlief auf dem Dachboden und die schwangere Clara war einfach nicht imstande, die ganze Treppe zum Dachboden hochzusteigen. Aber der kleine Junge wachte jede Nacht schreiend auf, sehr zum Ärger der Haushaltshilfe, die bei ihm in der Dachkammer schlief.

Schon bald war Clara klar, dass die Ursache für das Schreien darauf zurückzuführen war, dass er allein ins Bett gehen musste. Nachdem sie ihn nun jeden Abend zudeckte, litt Jitschak nicht mehr unter Weinkrämpfen. "Aber bei mir hielt sich das nagende Gefühl, dass er allein hoch gegangen war. Ich habe es nie überwinden können, auch nicht als er erwachsen war. (…) Nur ein paar Abende ohne Zudecken eines kleinen Jungen und eine Schuld fürs Leben."