Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

Logo des EU-Rahmenprogramms zur Kulturförderung "Kultur 2000"
Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Westfalen
Groningen
Lublin

Kontakt aufnehmen Kontakt |  Zeitleiste mit geschichtlichen Überblick Zeitleiste |  Glossar Glossar |  Literaturtipps Literatur |  Weiterführende Links Links | Filmdokumente des Projektes Film | Tondokumente des ProjektesTon |  Hilfe Hilfe |  Seite auf deutsch D  |  Seite auf niederländisch NL  |  Seite auf polnisch PL  | 

  Sie sind hier: Home


Israels und der Zionismus


Obwohl Jozef Israels Sympathien für das zionistische Ideal hegte, weigerte er sich, als Fürsprecher für diese Bewegung aufzutreten. Dafür war er zu viel Künstler und Niederländer.

Sohn des alten Volkes, 1889 Sohn des alten Volkes, 1889. Ein jüdischer Kaufmann sitzt vor seinem Geschäft. Der Mann sieht niedergeschlagen, müde und verzweifelt aus. Die späteren Zionisten hätten lieber einen "stolzen, kräftigen, jungen Juden" gesehen.
(Kollektion Juedisch-Historisches Museum, Amsterdam)
Jozef Israels war jüdisch und Maler, aber nicht in erster Linie ein jüdischer Maler. Die meisten seiner Gemälde thematisieren die ärmlichen Lebensumstände der niederländischen Bauer und Fischer. Die Zahl der Bilder mit einem jüdischen Thema (Sohn des alten Volkes, Jüdischer Gesetzesschreiber, Jüdische Hochzeit) oder einem biblischen Thema (David und Saul, Hannah im Tempel) nimmt in seinem Gesamtwerk nur einen geringen Platz ein. Selbst antwortete er einmal auf die Frage, was jüdische Kunst sei: "Gibt es einen Unterschied zwischen einem jüdischen Meer und einem nicht-jüdischen Meer?"
Und: "Das Wesen der jüdischen Kunst sollten Schriftsteller und Kunstkritiker bestimmen; wir Maler müssen arbeiten, nicht philosophieren."

Nicht traditionell jüdisch


Auch lebte er nicht traditionell jüdisch. Das einzig Jüdische an seiner Lebensart war die Respektierung des Sabbats diesen Begriff im Glossar nachschlagen. Am Sabbat arbeitete er nicht in seinem Atelier, da er dies seinem Vater versprochen hatte. Besucher waren dann nicht willkommen. Dennoch haben die Zionisten (eine politische Bewegung, die einen jüdischen Staat anstrebt) versucht,Jozef Israels für ihr Ideal zu gewinnen. Sogar Theodor Herzl ist in diesem Zusammenhang an ihn herangetreten. Im Jahre 1898 weilte dieser wichtige Führer der zionistischen Bewegung in Den Haag und wollte dort Kontakte mit bekannten Personen knüpfen. Ein Freund von Israels nahm Herzl mit in Israels’ Atelier. In seinem Tagebuch schrieb Herzl einen Bericht von seiner Begegnung am 1. Oktober. "Ein kleiner, flinker, weiser alter Jude", so beschrieb er Israels.
David und Saul David und Saul.
Dieses Bild ist typisch für Israels spaetere Werke: vagere Konturen und viel Sentimentalität. "Schöheit" wird hier symbolisiert durch den jungen, gutaussehenden und Harfe spielenden David, das "Schicksal' duch den alten traurigen König Saul.
"Er war gerade damit beschäftigt, den Harfe spielenden David und Saul zu malen. Ich erklärte ihm den Zionismus und gewann ihn. Er mochte den Gedanken." Herzl veröffentlichte diese Aussage im zionistischen Wochenblatt "Die Welt".

In erster Linie Niederländer


Später stellte sich heraus, dass Israels nicht froh darüber war, dass mit seinem Namen für den Zionismus geworben wurde. Er betonte weiterhin, dass er zwar jüdisch sei, aber sich in erster Linie als Niederländer fühle. Er zweifelte an der Realisierbarkeit des zionistischen Ideals.
"Jetzt ist es unsere Pflicht, den Antisemitismus, das Unrecht und die Gewalt, die uns angetan wird, zu bekämpfen und dagegen zu protestieren", sagte Israels 1902 in einem Interview.

Im Jahre 1906 sagte er über den Zionismus: "Ein schöner Traum, der vielleicht in einigen Jahrhunderten in Erfüllung geht, aber nicht jetzt! Warum? Diejenigen, die gehen könnten, tun das nicht: Ich will nicht in Jerusalem wohnen!"
Von Israels gemalte Menükarte fuer den achsten Zionistischen Kongress Von Israels gemalte Menükarte fuer den achsten Zionistischen Kongress, der in 1907 in Den Haag stattfand.
(Reichsbüro für Kunsthistorische Dokumentation)

Im Ehrenkomitee


Merkwürdig ist allerdings wieder, dass er 1907 in Den Haag dem Ehrenkomitee des achten zionistischen Kongresses angehörte. Er illustrierte sogar den Speiseplan eines Diners, das den Kongressteilnehmern vorgesetzt wurde. Auf der Skizze ist Moses zu sehen, der kurz vor seinem Tod das gelobte Land sah, aber es nie erreichen sollte. Unter der Abbildung steht in kunstfertiger hebräischer Zierschrift der betreffende Text aus dem Deutoronomium. Seine jüdische Erziehung in Groningen hat Jozef Israels also Zeit seines Lebens nicht vergessen.