Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Juden auf dem Viehmarkt


Jüdische Viehhändler sahen auf dem Markt genauso aus wie ihre nicht-jüdischen Kollegen: Sie trugen eine Mütze, Holzschuhe und sprachen den Groninger Dialekt.

Händler auf dem Viehmarkt in Groningen Händler auf dem Viehmarkt in Groningen.Jüdische Viehhaendler sprachen oft Jiddisch miteinander, damit nicht-juedische Händler die Preisabsprachen nicht verstehen konnten.
Dennoch wurden auf dem Viehmarkt auch viele Wörter aus dem Jiddischen (jüdische Volkssprache) benutzt, auch durch nicht-jüdische Händler. Diese übernahmen allerlei jiddische Wörter von ihren jüdischen Kollegen, und dann vor allem die jiddischen Zahlen. So entstand ein Fachjargon für Viehhändler, der aus jiddischen und niederländischen Wörtern bestand. Sogar nach dem Krieg benutzten Nicht-Juden auf den Viehmärkten weiterhin diese jiddischen Wörter.

Geheimsprache


Aber die jüdischen Viehhändler redeten auch oft richtig Jiddisch miteinander, so dass Nicht-Juden sie nicht oder kaum verstehen konnten. Das taten sie, weil sie manchmal eine Geheimsprache brauchten, wenn sie sich untereinander über die Preise der Tiere beratschlagen wollten, die sie verkaufen wollten. Der nicht-jüdische Kunde durfte das dann nicht verstehen. Wie ein jüdischer Viehhändler einmal in einem Interview sagte: "Wenn Goijen (Nicht-Juden) dazukamen, dann sagten wir: die sollen nicht verstehen, was wir sagen. Dann reden wir Jiddisch."
Pferdeschlachterei in der Folkingestraat, Beginn des 19. Jahrhunderts Pferdeschlachterei in der Folkingestraat, Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Eigentuemer, Mozes Nijveen, war jüdisch. Das ist merkwürdig, da Juden kein Pferdefleisch essen. Es ist nicht koscher.
Jüdische Viehhändler und jüdische Kunden verhandelten oft in einer Mischung aus Groninger Dialekt, Niederländisch und Jiddisch. Ein solches Gespräch hätte sich so anhören können: "Hei je veel beime aan de sjok? (Hast du viele Kühe auf dem Markt?) En hoe was de massematten gisteren? (Und wie war das Geschäft gestern?) Wat voor meke vroag je voor die beime? (Wieviel Geld verlangst du für diese Kuh?) Wat is het voor een beime? (Was ist es für ein Tier?)."

Sogar Handel mit Schweinen


Übrigens handelten manche Juden Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr nur mit Kühen, sondern auch mit Schweinen. Das ist etwas merkwürdig, da Juden selbst kein Schweinefleisch essen dürfen. Und deshalb dürfen sie auch damit keinen Handel treiben. Für den Handel mit Pferden und Eseln wurde eine Ausnahme gemacht. Das durften Juden wohl. Diese Tiere waren ja nicht für die Ernährung gedacht. Merkwürdig ist allerdings doch, dass es in der Folkingestraat in Groningen jüdische Pferdeschlachter gab. Ihre Kunden waren selbstverständlich nicht-jüdisch.

Und in Westfalen ...