Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Eine "olympische" Meisterelf


Hakoah aus Groningen wurde 1932 Meister bei den jüdischen Olympischen Spielen in Antwerpen.

Mannschaft des jüdischen Fußballvereins De Raven, 1921 Team von De Raven, 1921 (oben von links Koenie Berkelo, Bram Behr, Aaron Stoppelman, Isie Mulder, Philip Koekkoek, Mitte: Bernard van Zanten, Mo Behr, Jopie de Vries, unten: Rupie Cohen, Hartog Bohemen, Sannie Velleman, Bennie van Dam, Leendert Polak).
(Foto: RHC GrA Tg 818 invnr. G20-1431d)
Im Juni 1929 gründeten Altvorstandsmitglieder von De Raven einen neuen Verein mit dem Namen Hakoah (Die Kraft). Der Name wurde wahrscheinlich dem 1909 in Wien gegründeten Fußballverein gleichen Namens entlehnt. Die Groninger Hakoah rekrutierte ihre Spieler hauptsächlich im jüdischen Viertel. Das Gasthaus von Van Coevorden am Nieuwstad galt als Klubhaus. Hier stand der Trophäenschrank und hier hielt der Vorstand seine Versammlungen ab. Der Dress bestand aus einer weißen Hose und einem rot-weiß karierten Trikot. Der Verein meldete sich für die Saison 1929–1930 mit zwei Seniorenmannschaften und einer Jugendmannschaft an. Das Team übertraf die Erwartungen, wurde Meister und stieg in die 1. Klasse auf.

Die Saison 1931/1932, der Verein spielte inzwischen mit vier Mannschaften, war die wichtigste in der Geschichte von Hakoah. Das letzte Spiel der Meisterschaft war gegen den direkten Konkurrenten V.I.A., der nur zwei Punkte Vorsprung hatte. Ein Sieg hätte also ein Entscheidungsspiel bedeutet. Das Spiel endete jedoch mit einem Remis. Unberechtigt laut Hakoah, da der Schiedsrichter ihr einen Strafstoß vorenthalten hätte. Dem Protest des Vereins wurde stattgegeben. Der Groninger Voetball Bund GVB beschloss, dass der Penalty nachträglich ausgeführt werden musste, und zwar in der Halbzeit des Spiels einer Verbandself gegen den Groninger Klub GVB.
2. Mannschaft des jüdischen Fußballvereins Hakoah um 1929 2. Mannschaft des jüdischen Fußballvereins Hakoah um 1929 (oben von links Mozes van Dam, Cohen, Sammie van Dam, Mo Kisch, Willem van Dam, "Sjokolaatje" van Dam, Trainer Levie Kisch, mittlere Reihe: Blok, IsraŽls, Bollegraaf, unten: Edie Frank, Kisch, Alex Frank).
(Foto: RHC GrA Tg 818 invnr. G20-1439d)

Gespräch des Tages


Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft war dies das Gespräch des Tages. Und am Ostermontag 1932 befanden sich ungefähr 15.000 Zuschauer auf dem GVB-Gelände, fast alle jüdischen Männer aus Groningen. Kneipen im jüdischen Viertel waren schon gemietet worden, um den guten Ausgang zu feiern. In der Halbzeit des Spiels betraten der Torjäger Ies Blok, der sein Sonntagssakko über dem Vereinsdress trug, und der Torwart von V.I.A. das Spielfeld.

In der Nähe des Elfmeterpunktes zieht Blok sein Sakko aus und faltet es ordentlich zusammen. Aber in dem Moment, in dem er Anlauf für den Strafstoß nehmen will, pfeift der Schiedsrichter ab: Die Sonne störe den Torwart von V.I.A. zu sehr. Blok zog seinen Sakko wieder an, faltete das Bekleidungsstück beim anderen Tor wieder ordentlich zusammen, nimmt Anlauf und schießt … direkt in die Hände des Torwarts. Die Tatsache, dass die Mannschaft 1932 Meister bei den jüdischen Olympischen Spielen in Antwerpen wurde, war nur ein magerer Trost.
Turn- und Leichtathletikverein Ivria Auch die Kleidung des Turn- und Leichtathletikvereins Ivria wies nachdrücklich auf seine jüdische Herkunft hin.
(Foto: RHC GrA Tg 818 invnr. G20-1432d)

Abstiege


Nach diesem Auftritt ging es mit dem Verein bergab. Sowohl die erste als auch die zweite Elf stiegen in der Saison 1935/1936 ab. 1939 bestand der Verein zehn Jahre, was mit einem großartigen Jubiläum gefeiert wurde. Der Dress war inzwischen verändert worden und verwies explizit auf die jüdische Identität des Vereins: ein orangefarbiges Trikot mit Davidschild und eine weiße Hose. Vielleicht wollte man auf diese Art und Weise ein Zeichen gegen den Faschismus setzen, der nicht nur in Deutschland an der Macht war, sondern auch in den Niederlanden Anhänger gewann.

Am 10. Mai 1940 marschierten die deutschen Truppen in die Niederlande ein. Trotz der Besatzung wurde weiterhin Fußball gespielt. In der Saison 1940/1941 gab es eine Notmeisterschaft, an der sich auch Hakoah beteiligte. In dieser Meisterschaft bestritt der Verein am 27. April 1941 sein letztes Spiel gegen Boerakker. Das Match wurde mit 9:1 gewonnen. Das Verbot der deutschen Nationalsozialisten, dass Juden Sport mit Nicht-Juden betrieben, machte Fußball unmöglich. Im Herbst 1941 wurde der Verein aufgelöst. Dies war das Ende von dreißig Jahren jüdischen Fußballs in Groningen.