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Attila: ein Sportverein für die jüdische Elite


Der älteste jüdische Turnverein in den Niederlanden ist Attila aus Groningen.

De Turnverein "Atilla" beteiligt sich an einem Umzug im Jahre 1909 Der Turnverein "Atilla" bei einem Umzug im Jahre 1909 in Veendam.
(Foto: RHC GrA Tg 1769 invnr. 10772)
Sportliche Juden in Groningen waren zunächst Mitglied des Turnvereins Sparta. Nicht jeder konnte Mitglied dieses Vereins werden. Es war ein Verein für die wohlhabenden Einwohner von Groningen. Neue Mitglieder von Sparta wurden überprüft. Wenn ein Neuer die Erfordernisse nicht erfüllte, so konnte er kein Mitglied werden. Im Jahre 1898 verweigerte die Prüfkommission von Sparta einem jüdischen Einwohner von Groningen die Mitgliedschaft. Die jüdischen Spartanen vermuteten, dass die Ablehnung auf einer anti-jüdischen Gesinnung des Vereins beruhte. Sie hatten schon länger das Gefühl, dass sie im Verein nur geduldet wurden. Alle jüdischen Spartanen verließen den Verein und beschlossen am 16. April 1898, den jüdischen Turnverein Attila zu gründen.
Liste mit den vom Turnverein "Atilla" errungenen Preisen Liste mit den zwischen 1898 und 1928 vom Turnverein "Atilla" errungenen Preisen.
(Foto: RHC GrA Tg 1769 invnr. 10772)

Plädoyer für den Sport


Das Gründungsjahr von Attila lässt die Vermutung zu, dass es einen Zusammenhang mit dem Plädoyer von Max Nordau auf dem zionistischen Weltkongress Basel für die Leibesübung gibt. Der Verein stand dem Zionismus diesen Begriff im Glossar nachschlagen abweisend gegenüber. Wie Sparta war auch Attila für wohlhabende Groninger vorgesehen. Arme Juden suchte man vergeblich unter den Mitgliedern. Der Turnverein war wohl stark königsfreundlich. Im Vereinslied kommt dies zum Ausdruck.

Attila’s gevreesde Hunnen
Onweerstaanbaar in de strijd
Zo ook wij één ziel, één zin
Zullen goed en bloed en leven
Moet het zijn, gewillig geven
Voor ons land en koningin

(freie Übersetzung:
Attilas gefürchtete Hunnen
Unwiderstehlich im Kampf
So auch wir eine Seele, eine Gesinnung
Werden Gut, Blut und Leben
Wenn es sein muss, freiwillig geben
Für unser Land und die Königin)

In den ersten Jahren führte Attilla eine unsichere Existenz. Man fürchtete, dass der Verein nicht fortbestehen würde. Erst als sich der Verein 1906 für Frauen öffnete, begann die Blüteperiode. Schon bald überflügelten die Frauen die Männer. Wegen des Zustroms neuer junger Mitglieder konnte schon 1910 eine Jungen- und 1917 eine Mädchenriege gegründet werden. Die Männer ließen sich jedoch nicht blicken. Für das Turnen war kaum noch ein Mann zu finden. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein von einem Turn- zu einem Sportverein. 1926 wurden eine Tennis- und 1927 eine Fußballabteilung gegründet.
Die Mädchenriege des Turnvereins "Atilla" in Aktion, 1928 Die Mädchenriege des Turnvereins "Atilla" im Jahre 1928 in Aktion.
(Foto: RHC GrA Tg 1769 invnr. 10772)

Gespanntes Verhältnis


Mit dem Zionismus und zun den armen Juden hatte Attila weiterhin ein gespanntes Verhältnis. Im Jahre 1923 schreibt der Vorstand, dass "Jugendliche die Turnhalle zu einem Platz zionistischer Hetze gemacht hatten." Dennoch konnte sich der Verein dem Einfluss der Zionisten nicht entziehen. Der Vorstand betonte die jüdische Identität von Attila stärker, indem er bestimmte Maßnahmen ergriff. 1933 trat man dem 1921 gegründeten Welt-Makkabi-Verbund bei, der die Olympischen Spiele für Juden organisierte. Und 1934 beschloss der Vorstand, Personen aus Mischehen nicht mehr als Mitglied aufzunehmen. Dennoch blieb der Abstand zum Zionismus groß. Als 1935 die Fusion mit Ivria, dem armen und zionistischen Pendant von Attila, auf der Tagesordnung stand, gab es dafür keine Mehrheit im Verein. Vor allem Standesunterschiede, namentlich bei den Damen, bildeten nach ihrer Meinung ein unüberwindbares Hindernis.