Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

Logo des EU-Rahmenprogramms zur Kulturförderung "Kultur 2000"
Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Westfalen
Groningen
Lublin

Kontakt aufnehmen Kontakt |  Zeitleiste mit geschichtlichen Überblick Zeitleiste |  Glossar Glossar |  Literaturtipps Literatur |  Weiterführende Links Links | Filmdokumente des Projektes Film | Tondokumente des ProjektesTon |  Hilfe Hilfe |  Seite auf deutsch D  |  Seite auf niederländisch NL  |  Seite auf polnisch PL  | 

  Sie sind hier: Home


Zuwanderung und neue Herausforderungen: die jüdischen Gemeinden heute


Die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion war die wohl wichtigste Herausforderung in Deutschland während der neunziger Jahre. Anfang 1998 waren in Deutschland 87.471 Mitglieder in den jüdischen Gemeinden registriert

Purimsfest im Kindergarten Purimsfest im Kindergarten.
Damit hatte sich diese Zahl seit 1991 (etwa 30.000 Mitglieder) bundesweit fast verdreifacht. Allein zwischen 1993 und 1997 nahm sie um 40.000 zu. Insgesamt wird die Zahl der in Deutschland lebenden Juden heute auf über 100.000 geschätzt. Nicht alle Zuwanderer aus Osteuropa traten nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik offiziell einer Jüdischen Gemeinde bei.

Viele der Zuwanderer kamen nach Nordrhein-Westfalen. In NRW lebten 1991 insgesamt knapp 6.000 Gemeindemitglieder. 1997 waren bereits über 11.500 Personen in den Jüdischen Gemeinden eingeschrieben.
Seniorentreff in Dortmund Seniorentreff in der jüdischen Gemeinde Dortmund.

Integration schwierig


Im Jahr 2004 registrierten die 10 westfälischen Kultusgemeinden knapp 7.000 Mitglieder. Dieses Mitgliederwachstum veränderte die Gesamtstruktur der Gemeinden erheblich. Dieser Wandlungsprozess wird in den kommenden Jahren noch anhalten. Ein großes Problem ist die Integration der Zuwanderer in die Jüdischen Gemeinden. Fast alle Flüchtlinge hatten sich in der ehemaligen Sowjetunion der jüdischen Religion entfremdet. Auch eilig eingerichtete Lehrkurse und Veranstaltungen in den Jüdischen Gemeinden haben es nur zu einem geringen Teil vermocht, den Flüchtlingen, vor allem den über 65jährigen, jüdische Traditionen und Lebensformen nahe zu bringen.

Andere Beispiele zeigen, dass bei den "Alteingesessenen" oft die Angst herrscht, die "Neuen" könnten die politische Führung in den Gemeinden an sich reißen und veränderte Strukturen schaffen. Allein die Tatsache, dass heute in den meisten Gemeinden die Mehrzahl der Veranstaltungen in russischer Sprache durchgeführt wird, dass Kinder in jüdischen Tagesschulen und Kindergärten russisch sprechen und dass Plakate in den Gemeindezentren und Synagogenbauten zumeist ebenfalls in russischer Sprache gedruckt sind, hat in einigen Gemeinden zwiespältige Gefühle hervorgerufen.

1989 als Bruch


"Das Jahr 1989 hat dieser Gemeinschaft einen Bruch beschert. Sie muss jetzt zunehmend darüber nachdenken, ob ihre bisherige Rolle als eine Gemeinschaft von Überlebenden von Juden in Deutschland auch in der Zukunft ein Modell sein kann." (Micha Brumlik)
Jüdische Hochzeit in Köln Jüdische Hochzeit in Köln.
Alle Fotos: Dirk Vogel
Die Veränderung der jüdischen Gemeinden zeigt sich nicht nur in quantitativer Hinsicht. In den neuen Bundesländern, zum Beispiel in Rostock, Magdeburg oder Potsdam, gibt es Gemeinden, die fast ausschließlich aus russischen oder ukrainischen Juden bestehen. Kulturelle Reibungen zwischen den Eingesessenen und den Zuwandern bleiben dabei nicht aus. Auch in religiösen Fragen beginnt sich in den angewachsenen Gemeinden eine neue Vielfalt zu entwickeln.