Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Eine Reise durch die Hölle


Salla und ihre beiden älteren Schwestern Feige und Minna überlebten als einzige der Familie Zimet die Schrecken der Vernichtungs- und Konzentrationslager. 1995 brachte Salla ihre Erinnerungen zu Papier.

Minna und Salla Zimet im Jahre 1941 Minna und ihre Schwester Salla Zimet im Dezember 1941.
(Foto: J. van Gelder, Terug van weggeweest, S. 152)
Im November 1942 wurde die Familie Zimet in Westerbork wiedervereinigt. Dieses Lager in der Nähe der Provinzhauptstadt Assen, ursprünglich eingerichtet für die Betreuung von Flüchtlingen aus Deutschland, war ein "Durchgangslager". Juden aus den gesamten Niederlanden wurden hier konzentriert, um kurz- oder mittelfristig in die Vernichtungslager im Osten weitertransportiert zu werden. Wöchentlich fuhr ein Zug nach Auschwitz-Birkenau oder Sobibór, wo die meisten Juden sofort nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden.

Gute Beziehungen im Lager


David Zimet gehörte in Westerbork zu den "Alte Kamf Insaßen": das waren alle Juden, die vor Juli 1942 im Lager angekommen waren und vorläufig vom wöchentlichen Transport freigestellt waren. Durch seinen Status im Lager sowie seine guten Beziehungen gelang es Vater Zimet, seiner Familie ein gewisses Maß an Schutz und Erleichterung zu bieten und sie bis Anfang 1944 vor dem Transport zu schützen.

Im Januar 1944 kam die Familie auf den Transport. Die älteste Tochter Feige, die eine Hachscharadiesen Begriff im Glossar nachschlagen- oder Palästina-Pionierin war, kam ins Lager Bergen-Belsen in der Nähe von Hannover. Die anderen wurden ins Ghetto Theresienstadt im heutigen Tschechien gebracht. Das war ein von den Nazis errichtetes "Musterlager". Der Zweck war, der Welt zeigen zu können, dass die Geschichten in der ausländischen Presse über die Schrecken der Vernichtungslager gewaltig übertrieben waren. Das Gerücht, dass das Rote Kreuz inspizieren würde, führte zum weiteren Transport der Familie Zimet. Das "Musterlager" war nämlich schon überfüllt und die Lagerführung löste dieses Problem, indem sie die Gefangenen in andere Lager transportierte, hauptsächlich nach Auschwitz-Birkenau.

Transport nach Auschwitz-Birkenau


Am 10. Mai 1944 wurden Vater und Mutter Zimet sowie die beiden Töchter Minna und Salla mit vielen anderen jüdischen Familien in überfüllten Viehwagen mit dem Zug nach Birkenau transportiert. Dieses Lager war ein Teil von Auschwitz. Es war ein Vernichtungslager, in dem hauptsächlich Juden aus ganz Europa sofort nach der Ankunft vergast und die Leichen danach in Krematorien verbrannt wurden. Eine Fabrik des Todes, wo aus lebenden Menschen Asche gemacht wurde.

Wahrscheinlich wegen ihrer Herkunft aus dem Musterlager Theresienstadt wurde die Familie Zimet nicht sofort nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt, sondern im Familienlager (B II B) untergebracht. Dies war ein gesonderter Teil des riesigen Lagers. Lange dauerte dies jedoch nicht. Im Juli 1944 führte die SS im Familienlager eine "Selektion" durch, um festzustellen, wer arbeiten konnte. Minna und Salla kamen durch die Auswahl, Vater und Mutter nicht. Ein paar Tage später wurden beide Schwestern ins Lager Christianstadt (zwischen Cottbus und Zielona Góra/Grünberg), Teil des größeren Konzentrationslager Groß-Rosen, transportiert. Kurz nach ihrer Abreise wurden beide Eltern in den Gaskammern ermordet.