Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Die Vorsitzenden der Partei


Die aktivsten Mitglieder der Partei waren Bela Nissenbaum und Shloma Herszenhorn.

Bela Nissenbaum mit ihrem Ehemann Jankiel Bela Nissenbaum mit ihrem Ehemann. Foto aus dem Jahre 1936.
Foto: Sammlung Simcha Wajs / "Brama Grodzka – Teatr NN"

Bela Nissenbaum (1890–1944?)


Bela (Bajla) Szpiro Nissenbaum war eine bekannte Aktivistin, die sich besonders im Stadtrat engagierte. Sie wurde als einzige von den Mitgliedern der jüdischen Gruppierungen fünf Sitzungsperioden hintereinander in den Stadtrat gewählt.

Bela Nissenbaum wurde 1890 in Lublin geboren und war die Tochter des reichen Chassidim Shlomo Shapiro, der der Eigentümer der Lubliner Druckerei und eines Schreibwarengeschäftes war. Sie wurde streng religiös erzogen.

Nachdem sie das Gymnasium und ihre Ausbildung an der Handelsschule abgeschlossen hatte, übernahm sie die Buchführung im Geschäft ihres Vaters. Sie heiratete einen Schriftsteller, den Redakteur des "Lubliner Tugblats" – Jankiel Nissenbaum. Zu dieser Zeit begann sie ihre politischen Tätigkeiten. Sie trat einer sozialistisch-jüdischen Organisation bei und betreute die jüdische Jugendorganisation "Cukunft". Ab 1927 war sie Vorsitzende im Verein Jüdischer Berufstätiger Frauen.
Während der gesamten Zwischenkriegszeit waren ihr die gesellschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten und Probleme, die im Stadtrat besprochen wurden, ein besonderes Anliegen. Außerdem kämpfte sie im Stadtrat dafür, dass den Juden bestimmte Autonomierechte eingeräumt werden, um es ihnen zu ermöglichen, ihre nationale Identität zu bewahren.

Während des Zweiten Weltkrieges, im Jahre 1941, wurde sie von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager nach Ravensbrück gebracht, wo sie um die Jahreswende 1943/1944 ums Leben kam.

Shloma Herszenhorn (1888–1953)


Shloma Herszenhorn – Arzt und engagierter Bürger – war von 1927–1939 Mitglied des "Bundes" und übte das Ratsmandat in dieser Zeit viermal aus. Er war der erste Jude, der im Stadtrat zum Vizepräsidenten gewählt wurde.

Shloma Herszenhorn wurde 1888 in Lublin in eine reiche chassidische Familie geboren. Hier besuchte er auch das Gymnasium, wurde aber aufgrund seiner Zusammenarbeit mit dem "Bund" 1904 gezwungen, seine Heimatstadt zu verlassen. 1918 erwarb er den Doktortitel der Medizin an der Universität in Prag. Er arbeitete in einer jüdischen Poliklinik in Lublin und hatte einen Sitz im jüdischen Krankenhausrat inne.

Er beteiligte sich sehr aktiv am jüdischen gesellschaftlichen Leben und wurde 1936 in den Rat der Jüdischen Gemeinde gewählt. Sein Schwerpunkt war das Gesundheits- und Sozialwesen der jüdischen Gemeinde und er kämpfte erfolgreich für die Erhöhung öffentlicher Ausgaben in diesen Bereichen. Mit seiner Arbeit vertrat er vor allem die Interessen der armen, arbeitslosen und obdachlosen Menschen der jüdischen Gemeinde. So forderte er zum Beispiel die Gründung neuer Waisenhäuser und Kindergärten. Im Herbst 1939 fuhr Doktor Herszenhorn in die Sowjetunion. Im Juli 1944 kam er mit der 1. Polnischen Armee nach Lublin zurück.

Fünf Jahre später, 1949, emigrierte er nach Israel und dann nach Australien, wo er sich für die Gründung eines medizinischen Zentrums für jüdische Auswanderer einsetzte. Shloma Herszenhorn starb am 2. Januar 1953 in Australien.