Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Das jüdische Viertel in Lublin


Eines der Hauptobjekte auf dem Modell ist die Brama Krakowska (das Krakauer Tor).

Ansicht auf das Krakauer Tor in Lublin Ansicht auf das Krakauer Tor in Lublin. Postkarte 1920er Jahren.
("Brama Grodzka Teatr NN")
Die Juden nannten das Tor "Tor mit der Uhr". Es entstand im 14. Jahrhundert als ein Teil der Stadtmauer. Ehemals verteidigte es den Zugang zur Stadt. Vor dem Krieg war hier täglich um 8 Uhr ein Morgenlied, gespielt von einem Feuermann, zu hören. Das Tor trennte das arme Stadtviertel vom reichen Zentrum. In der Krakauer Vorstadt wohnten die reichen, assimilierten Juden: Ärzte, Juristen, die Vertreter der wohlhabenden Intelligenz und des Kaufmannstandes.

In die Altstadt


Durch das Krakauer Tor ging man in die Altstadt. Die hohen, soliden Häuser mit charakteristischen Frontseiten und Dachziegeln stehen hier seit Jahrhunderten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wohnten hier ausschließlich die Juden, die direkt daneben ihre Geschäfte hatten. Ein paar Schritte hinter dem Krakauer Tor befand sich Bramowa-Gasse (Torgasse), die zum Lubliner Marktplatz führte. Das zentrale Gebäude auf dem Marktplatz war damals und ist noch bis heute das Reichstribunal, wo fast zwei Jahrhunderte hindurch über Streitigkeiten und Gerichtsverfahren entschieden wurde. Im Mietshaus Rynek 8 (Marktplatz 8) befand sich der Sitz der Verwaltung der jüdischen Glaubensgemeinde und des Lubliner Rabbinats.
Holzhaus im jüdischen Stadtviertel Holzhaus im jüdischen Stadtviertel, 1930er Jahre. Fotograf unbekannt.
Foto: "Brama Grodzka Teatr NN"

Grodzka-Straße


Vom Marktplatz geht die Grodzka-Straße ab. In einem geräumigen Gebäude in der Grodzka-Straße 11 war das jüdische Waisenhaus "Ochronka" ("Lagerfeuer")untergebracht, das 1857 von Bereg Cwajg, einem armen jüdischen Schuster gegründet worden war. Für die Errichtung dieser Anstalt stellte er die Ersparnisse seines gesamten Lebens zur Verfügung.

Das Stadttor war der Durchgang zur Schlossgegend mit herrlicher Aussicht auf das Lubliner Schloss. Auf dem Schlossplatz war das Herz des Judenviertels. Heute erinnert daran nur eine Gedenktafel am Fuß des Schlosses. Genau in der Mitte des Platzes verlief die Szeroka-Straße (Breite Straße) die älteste und größte Straße in diesem Viertel. Im Schatten der Szeroka-Straße verliefen die armen Straßen, wie zum Beispiel die parallele Nadstawna-Straße, unter den Juden als "a Gesl eine Gasse" bekannt.

In der Nadstawna-Straße befanden sich die meisten Chadarimdiesen Begriff im Glossar nachschlagen. Allein im Haus Nummer 20 gab es mehrere. Das Haus war groß, zweistöckig und es besaß einen großen Hof. Die tätigen Chadarim waren in den einzelnen Stockwerken gemäß den aufeinanderfolgenden Lehrstufen untergebracht.
Zamkowa-Straße Zamkowa-Straße. 1920er Jahre, Fotograf unbekannt.
Foto: "Brama Grodzka Teatr NN"

Nur vier nichtjüdische Familien


In der Nähe war auch die Krawiecka-Straße (Schneider-Straße). In der Krawiecka-Straße wohnten nur vier polnische, also nichtjüdische Familien, und die Straße war lang und dicht bewohnt. Dieser Teil der jüdischen Stadt galt als der ärmste und am meisten verwahrloste. Hier wohnte die ärmste jüdische Stadtbevölkerung, die "man weiß nicht wovon sie leben". Diese Menschen wurden als "Luftmenschen" bezeichnet: "Menschen, die von Luft leben".

Der Krawiecka-Straße gegenüber verlief die Wąskastraße (Enge Straße), die in die Furmańska- und Cyrulicza-Straße führte. Sie war wirklich so eng, dass sich ein Karren kaum durch sie hindurchdrängen konnte. Diese Straße sah wie eine Bergschlucht aus, weil es dort ziemlich hohe, zwei- oder dreistöckige Häuser gab.

Rechts von der Szeroka-Straße erstreckte sich die Jateczna-Straße, in der sich die Große Synagoge befand. Diese war ein riesiges Gebäude, zu dem Hunderte von frommen Juden zogen. Durch die Jateczna-Straße zogen auch immer die Leichenzüge zum jüdischen Friedhof. Diese Straße war übrigens schon seit dem 16. Jahrhundert ein religiöses Zentrum. Dort gab es auch eine Mikwe, eine rituelle Badeanstalt der Lubliner Jüdischen Gemeinde.