Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

Logo des EU-Rahmenprogramms zur Kulturförderung "Kultur 2000"
Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Westfalen
Groningen
Lublin

Kontakt aufnehmen Kontakt |  Zeitleiste mit geschichtlichen Überblick Zeitleiste |  Glossar Glossar |  Literaturtipps Literatur |  Weiterführende Links Links | Filmdokumente des Projektes Film | Tondokumente des ProjektesTon |  Hilfe Hilfe |  Seite auf deutsch D  |  Seite auf niederländisch NL  |  Seite auf polnisch PL  | 

  Sie sind hier: Home


Ein Handelsviertel


Lublin war keine Industriestadt und in polnischen Betrieben wurden keine Juden angestellt.

Einwohner des jüdischen Stadtviertels Einwohner des jüdischen Stadtviertels. Postkarte, 1920er Jahre
Deshalb beschäftigte sich ein großer Teil von Juden mit Handel und Gewerbe. In den Handelsstraßen war ein großer Verkehr üblich hören Sie dazu einen kurzen Audiobeitrag. Nicht nur die Bürger von Lublin, sondern auch viele Besucher aus naheliegenden Städtchen drängten sich dort, machten viel Lärm, lachten und stritten. So war es die ganze Woche hindurch, den Schabbat diesen Begriff im Glossar nachschlagen und Feiertage ausgenommen.

An den Feiertagen wandelte das ganze jüdische Stadtviertel sein Gesicht. Die Geschäfte, Werkstätten und kleinen Fabriken waren geschlossen. Die Lastträger und Kutscher feierten. Auch Verkäufer und Händler verschwanden von den Straßen. Die Juden waren festlich gekleidet. Männer in feierlichen Seidenmänteln und Frauen in festlichen Kleidern begaben sich in Bethäuser, auf Spaziergänge oder auf Besuch zu Verwandten oder Bekannten.
Ansicht aus der Mostowa-Straße auf die Ruska-Straße und die orthodoxe Kirche Ansicht aus der Mostowa-Straße auf die Ruska-Straße und die orthodoxe Kirche. 1930er Jahre. Fotograf unbekannt.
Foto: "Brama Grodzka Teatr NN"

Bestimmte Gewerbezweige


Ähnlich wie in anderen Städten waren manche Straßen in Lublin mit einem spezifischen Geschäfts- oder Gewerbezweig verbunden. Die Nowa-Straße (Neue Straße) war für den Verkauf von Kleidung bekannt. Die Verkäufer hatten meistens eigene Schneiderwerkstätten und fertigten die Kleidung zum Verkauf selbst an. Man nannte sie "Ramschmacher" oder "Schundmacher". Hier kämpfte man im wahrsten Sinne des Wortes um den Kunden, weil der Wettbewerb so groß war.

In der Kowalska-Straße gab es viele Ledergeschäfte, die Cyrulicza- und Furmańska-Straße waren von Lastträgern "besetzt". Allgemein bekannt waren hier zwei Hinterhöfe, in denen Kleinhändler aus naheliegenden Städtchen ankamen. Sie brachten fertige Produkte mit und boten Rohstoffe und andere Waren an. Gewebe, Wolle und Baumwolle konnte man in Geschäften in der Lubartowska-Straße kaufen.

Die größte Handelsstraße war die Ruska-Straße, eine von wenigen, die auch heute noch existiert. Hier verlief der Hauptweg nach Reußen daher stammt der Name der Straße. Sie war von Kleinhändlern und Handwerkern bewohnt, die vom Handel auf dem naheliegenden jüdischen Markt lebten.
Markt in der Świętoduska-Straße Markt in der Świętoduska-Straße, 1942.
Foto: Sammlung Roman Krawczyński / "Brama Grodzka Teatr NN"
Der jüdische Markt erstreckte sich am Ufer des Flusses Czechówka, von der Lubartowska- bis zur Nadstawnastraße. Dort gab es kleine Handelsbuden, die nachts geschlossen waren. In erster Linie handelte man mit Fisch, außerdem mit Fleisch. Es gab dort über 50 solcher Handelsbuden.

Kleiner jüdischer Markt


Ein kleiner jüdischer Markt befand sich auch auf einem kleinen Platz zwischen der Szeroka- und Kowalska-Straße, gleich hinter der Brama Grodzka. Dort wurde nur manchmal Handel betrieben. Man verkaufte dort einen für Lublin spezifischen Leckerbissen, der "Bubelach" hieß. Das waren Napfkuchen aus Buchweizen, die in spezifischen Gefäßen gebacken wurden. Man aß sie warm, mit Butter. Hier wurden auch Brezeln verkauft. Nicht weit von hier entfernt, in der Ecke von Zamkowa- und Krawiecka-Straße, befand sich ein billiges jüdisches Restaurant. Dort aßen vor allem Lubliner Künstler, die oft kein Geld für teurere Restaurants hatten. Hier blühte das gesellschaftliche Leben. Ein teures jüdisches Restaurant befand sich in der Lubartowska-Straße 15. Dort kamen vor allem wohlhabende Menschen vorbei und begossen gut gelungene Geschäfte.