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Die Weberei und Baumwollweberei "Cosmann Cohen & Comp."


1863 gründete Cosman Cohen die Weberei und Baumwollspinnerei "Cosmann Cohen
& Comp.".

Musterblatt der Firma Cohen Musterblatt der Firma Cohen.
(Leihgabe im Jüdischen Museum Westfalen)
Er setzte sich 1864 mit 13 weiteren Bocholter Firmen für die Einrichtung einer Telegraphenstation ein, um bessere Verbindungen mit der Außenwelt aufnehmen zu können. Die Firma nahm einen rasanten Aufstieg und konnte 1872 bereits 99 Arbeiter beschäftigen.

Als erstes Unternehmen in Bocholt nahm die Firma 1872 mechanische Webstühle in Betrieb und ging so zur industriellen Fertigung über. 1880 meldete der Landrat in Borken nach Münster: "Die Firma Cosmann Cohen & Comp. zu Bocholt hat ihre Fabrik bedeutend vergrößern lassen und werden in derselben gegenwärtig 160 Webstühle in Betrieb gesetzt, wogegen nur 100 Stühle vorhanden waren." 1886 konnte die Firma Cosmann Cohen 180 Beschäftigte melden und war damit zum viertgrößten Bocholter Betrieb in diesem Zweig geworden.

Export bis nach China


Hergestellt wurden die Bocholter Standardartikel Cord und Moleskin, aber auch billige Decken, die bis nach China exportiert wurden. Die Familie Cohen hatte damit einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der Bocholter Textilindustrie geleistet.
Cosman Cohen engagierte sich auch in anderen Geschäften. 1889 beteiligte er sich mit einer Einlage von 100.000 Mark an der "Baumwollspinnerei von Velsen & Cie", um günstigere Bedingungen beim Garneinkauf zu erzielen. Das Gesamtkapital betrug 500.000 Mark bei fünf Gesellschaftern. Das Unternehmen wurde im Volksmund auch "Simultan-Spinnerei" genannt, da sich hier ein Protestant, ein Jude und drei Katholiken zusammengetan hatten.
Plakat zum Textilarbeiterstreik 1913 Plakat zum Textilarbeiterstreik 1913 .
Abbildung: Stadtarchiv Bocholt

Brand vernichtet den Betrieb


Nach dem Tod von Cosmann Cohen 1897 übernahmen die Söhne Emil und Max Cohen sowie sein Enkel Carl Magnus den Betrieb Cosmann Cohen & Cie. Im Juli 1897 vernichtete ein Brand den Betrieb vollständig. Die Weberei wurde an anderer Stelle wieder aufgebaut, und schon 1902 waren wieder 200 Beschäftigte angemeldet. Gelegentlich stand die Firma im Mittelpunkt von Streikaktivitäten der christlich geprägten Gewerkschaftsbewegung.

Weder die tiefe Krise der Textilindustrie um die Jahrhundertwende noch die vollständige Zerstörung durch den Brand konnten "Cosmann Cohen & Comp." in die Knie zwingen. Das Ende des Betriebes kam erst 1929, da es in der Familie keinen geeigneten männlichen Nachfolger gab.

Und in Groningen...