Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Die Familie Hildesheim: die zweite Generation


Die Chancen, die die Emanzipationsbewegung den Juden am Anfang des 19. Jahrhunderts bot, verdeutlicht uns das Beispiel der Lebensgeschichte von Vater und Sohn Hildesheim.

Kurze Nekrologie des 1911 gestorbenen Izak Hildesheim Diese kurze Nekrologie des 1911 gestorbenen Izak Hildesheim stellt nur einen Teil seiner vielfältigen Aktivitäten dar.
(RHC GrA Tg 999 invnr. 2942)
Noch mehr Erfolg als seinem Vater war dem Sohn Izak Hildesheim vergönnt. Er heiratete zweimal: seine zweite Frau war Mietje Polak aus Wildervank. Wie die Frau seines Vaters stammte auch seine Frau aus einer Familie, die großes Ansehen genoss. Unter seiner Führung wuchs die Bäckerei zu einer Institution an: Das Sabbatbrot (Chala) von Hildesheim wurde weit und breit gelobt. Noch vor einigen Jahren sprachen ältere Leute wehmütig von diesem Brot.

Zeit des Erfolgs


Offensichtlich blühte der Betrieb auch wirtschaftlich, denn bei seinem Tod 1911 vererbte Izak Hildesheim nicht weniger als sechs Häuser. Und wie sein Vater erfüllte auch Sohn Izak zahllose Funktionen in der jüdischen Gemeinschaft: Verwaltungsmitglied der Armenkasse, Mitglied der Schulkommission, Mitglied des Kirchenrates und der Geschäftsführung, Mitglied der Bezirksgeschäftsführung und Geschäftsführer der Alliance IsraŽlite Universelle†diesen Begriff im Glossar nachschlagen.

Sein grenzenloser Einsatz auf vielen Gebieten wurde 1910 mit der Ernennung zum Ritter im Orden von Oranien-Nassau angemessen belohnt.
Bekanntgabe der Gründung eines Komitees für die Hilfe an russischen Juden, 1891 Izak Hildesheim war Mitglied des im Jahre 1891 gegründeten Komitees für die Hilfe an aus Russland geflohenen Juden.
(RHC GrA Tg 999 invnr. 2920)
Auch bei der Betreuung jüdisch-russischer Flüchtlinge im Jahre 1891 in Groningen spielte er eine führende Rolle. Manchmal kam er von einem Besuch an der Synagoge mit einem russischen oder polnischen Flüchtling zurück, die er an seinen Tisch lud und deren Geschichten einen tiefen Eindruck auf die Familie machten. Die Tatsache, dass in einer solchen Familie die zionistischen Gedanken schon früh Fuß fassten, ist dann auch nicht verwunderlich.

Chancen für Juden


Dies war in der Tat mehr auf die Geschichten der Flüchtlinge als auf die eigene Situation zurückzuführen. Denn wenn wir sehen, was Vater und Sohn Hildesheim wirtschaftlich und sozial in zwei Generationen erreicht hatten, so ist dies wiederum ein Beispiel der Chancen, die die Emanzipationsbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Juden bot.
Izak Hildesheim und seine Ehefrau Mietje Polak Izak Hildesheim und seine zweite Ehefrau Mietje Polak.
Foto: L. Ast Boiten en G. Zaagsma, De Folkingestraat. Geschiedenis van de joodse gemeenschap in Groningen, S. 96
War der Vater Philip Mozes noch ein armes Waisenkind aus dem Ghetto in Warschau, so hatte sich die Position des Sohnes schon grundlegend geändert, nicht nur was die Anhäufung weltlicher Schätze angeht, sondern auch in Bezug auf die Erlangung sozialen Kapitals.
Diese Entwicklung gipfelte in der Entgegennahme einer prestigeträchtigen königlichen Auszeichnung.