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Die Familie Hildesheim: Eliazar und der Zionismus


Aber der 1868 geborene Eliazar ist wohl das interessanteste aller Kinder.

Der Groninger Arzt Eliazer Hildesheim, Vorsitzender des Niederländischen Zionistenverbandes, Abteilung Groningen Der Groninger Arzt Eliazer Hildesheim, der erste Vorsitzende des Niederländischen Zionistenverbandes, Abteilung Groningen.
Foto: L. Ast Boiten en G. Zaagsma, De Folkingestraat. Geschiedenis van de joodse gemeenschap in Groningen, S. 103
Nach seiner Ausbildung am Gymnasium studierte er Medizin an der Universität Groningen. Aber seine Leidenschaft lag beim Theater. Er übersetzte sogar Theaterstücke und auch Poesie. Dies sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die einen nachteiligen Effekt auf sein Studium befürchteten.

Nach dem Ende seines Studiums spezialisierte sich Eliazar in Berlin als Augenarzt. Er führt ein rastloses Leben. So war er als Schiffsarzt bei der Java-China-Japanlinie tätig. In dieser Zeit stand Eliazar stark unter dem Eindruck der Gedichte von Chaim Nachman Bialik (1873–1934), von denen von ihm freie Übersetzungen im populären "Het Noorden in Woord en Beeld" (Der Norden in Wort und Bild) erschienen.

Pogrom als Wendepunkt


Ein wichtiger Wendepunkt im Denken der Juden über Integration und Assimilation war der Pogrom im moldawischen Chisinau (Kishinev) im April 1903, bei dem fast fünfzig Menschen ermordet wurden. Vor allem die Tatsache, dass die Behörden nicht eingriffen, war für Intellektuelle wie Hildesheim ein Zeichen, dass nur ein nationales jüdisches Zuhause eine Lösung für Verfolgungen bot.
Titelseite des Buches Auto-Emanzipation von Leo Pinsker Titelseite der niederländischen Übersetzung des Buches Auto-Emanzipation von Leo Pinsker.
(RHC GrA Tg 368 invnr. 27)
Die zionistische Bewegung strebte ein neues jüdisches Selbstbewusstsein und einen jüdischen Staat an. Damit stellte die Bewegung den Assimilationsprozess zur Diskussion. Ein harmonisches Zusammenleben mit der nicht-jüdischen Umwelt schien häufig eine Illusion, und weitere Versuche in dieser Richtung würden letztendlich zum Verlust der eigenen Kultur und Identität führen. Die Zionisten waren der Meinung, dass man nur in einem eigenen jüdischen Staat als Jude leben könnte und gegen Antisemitismus und Verfolgung geschützt wäre.

"Nederlandse Zionisten Bond"


Zwei Jahre nach dem Ersten Zionistenkongress im Jahre 1897 wurde der "Nederlandse Zionisten Bond" (NZB/Niederländische Zionisten Bund) gegründet. Eliazar Hildesheim sollte später Vorstandsmitglied des NZB werden. Anlässlich des Pogroms in Kishinev veröffentlichte er 1903 "Kischinew und der Zionismus".

Der Inhalt dieses Buches zeigt viele Ähnlichkeiten mit "Auto-Emanzipation, ein Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden" aus dem Jahre 1882 von Leon Pinsker (1821–1891). Pinsker untersuchte in diesem Buch die psychologischen und sozialen Wurzeln des Antisemitismus und rief zur Bildung eines nationalen Zentrums für Emigration auf. Pinsker wurde in Tomaszów in Polen geboren. In seiner Jugend studierte er in Odessa an der Schule seines Vaters Simhah Pinsker, der Schriftsteller und Wissenschaftler in Odessa war.
Leo Pinsker (1821–1891), Autor des Buches Auto-Emanzipation Leo Pinsker (1821–1891), Autor des Buches Auto-Emanzipation, ein Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden.
(Foto: RHC GrA Tg 368 invnr. 27)

Glauben an die Zukunft


Leon Pinsker war der Gründer der jüdisch-russischen Wochenzeitung "Razwet" (Morgendämmerung). Schon der Titel ist ein Programm für den Glauben an die Zukunft. Außerdem war er Gründer eines Vereins für die Verbreitung der Ideale der Haskalahdiesen Begriff im Glossar nachschlagen unter Juden. In "Djen" (Tag) rief er die Juden in Odessa auf, sich zu assimilieren. Aber die Pogrome in Odessa im Jahre 1871 und in Süd-Russland 1881 sowie der zunehmende Antisemitismus führten auch bei ihm zu der Überzeugung, dass die Aufklärung fehlgeschlagen war.

Die Tatsache, dass so viele Kinder aus der Familie von Izak Hildesheim vom Zionismus fasziniert waren, ist bemerkenswert. Besonders, wenn wir in Betracht ziehen, dass die Bewegung in den Niederlanden durch den etablierten Teil der niederländischen Juden heftig bekämpft wurde.

Vielleicht erklärt das Wissen um die osteuropäische Herkunft ihres Großvaters Philip Mozes und bei den ältesten Kindern die Geschichten der russischen Flüchtlinge im Jahre 1881 ihr Interesse für die zionistische Bewegung. In geografischer Hinsicht lag Groningen zwar an der Peripherie der jüdischen Welt, aber anhand der Familie Hildesheim ist deutlich geworden, dass dies aus jüdischer Innensicht nicht zutraf.