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Die Familie Van Dam: von Außenseitern zu wohlhabenden Bürgern


Aron Comprechts van Dam kann als einer der Stammväter der Groninger Kleidungsindustrie betrachtet werden.

Wenn wir verstehen wollen, warum ein Unternehmer erfolgreich ist, ist es wichtig, etwas über seine persönliche Geschichte zu wissen. Außer den individuellen Qualitäten eines Unternehmers kann seine Herkunft Einsicht in die Gründe seines Erfolges geben. Vor allem die Beziehungen zwischen Familien sind oft sehr wichtig, um ihren Erfolg zu erklären.

Die Vorfahren von Aron Comprechts van Dam, der als einer der Stammväter der Groninger Kleidungsindustrie betrachtet werden kann, wohnten sicherlich schon seit 1700 in Groningen. Die Großeltern von Aron van Dam waren Abraham Nathans und Esther Heimans. Sie wohnten einen großen Teil ihres Lebens im Dorf Muntendam (Veendam). Von diesem Ort wurde der spätere Familienname abgeleitet.

Handel mit Schnürsenkeln und Lumpen


Sein Großvater war ein Kaufmann, der mit Schnürsenkeln und Bändern, Lumpen und Alteisen handelte. Dieses Ehepaar hatte sechs Kinder. Eines der Kinder, Comprecht Abrahams, zog ungefähr im Jahre 1760 in die Stadt Groningen. Hier heiratete er und versuchte, als Händler mit ungeregelten Waren seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 1769 übertrat er dabei die Regeln und wurde aus der Stadt verbannt. Comprecht zog in die benachbarte Provinz Friesland und ließ sich schließlich in Leeuwarden nieder.

Eines seiner Kinder, Aron Comprechts van Dam, der etwa 1762 in Groningen geboren wurde, zog 1795 in die Stadt Groningen. Er heiratete hier Frouke Comprechts. Sie war eine Tochter von Sara Levie Simons aus Emden. Ihr Vater lebte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr und ihr Stiefvater war Levie Eleazar Cohen. Steuerunterlagen zeigen, dass Stiefvater Cohen der höheren Mittelklasse der jüdischen Gemeinde in Groningen angehörte. Im Jahre 1796 machte er sein Testament und bestimmte seine Stieftochter zur alleinigen Erbin. Es ist nicht genau bekannt, woraus die Erbschaft bestand, aber sie wird nicht gering gewesen sein, denn kurz nach der Eröffnung dieses Testamentes kauften Aron und seine Frau für einen Betrag in Höhe von 1250 Gulden ein Haus in der Haddingestraat.

Wohlhabender Bürger


Sechs Jahre später verkaufte das Ehepaar dieses Haus mit einem Gewinn von 52%. In dieser kurzen Zeit muss es Aron ziemlich gut gegangen sein, denn er kaufte 1802 eine Wohnung am Carolieweg für einen Betrag in Höhe von 3200 Gulden. In einer Zeit, in der der Jahreslohn eines Zimmermanns ungefähr 110 Gulden betrug, war dies eine riesige Summe. Kurz darauf kaufte er auch das Bürgerrecht sowie das Recht der Gilde der Kaufleute. Etwas mehr als dreißig Jahre, nachdem sein Vater aus der Stadt verbannt wurde, gehörte Aron Comprechts van Dam jetzt zu den wohlhabenden Bürgern und war ein respektierter Mann.

Es gibt nicht genügend Quellen, um zu einem scharfen Bild der exakten Aktivitäten zu kommen. Im Jahre 1815 war er einer der Lieferanten von Betten für die Armee in Delfzijl und 1817 war er als Händler mit Gebrauchtkleidern registriert. Die Tatsache, dass er in dieser Zeit geschäftlich erfolgreich war, beweist nicht nur der Kauf von Immobilien und Grundstücken, sondern auch die Höhe seiner Steuerveranlagung für die im Jahre 1813 eingesetzte Verwaltung über die jüdischen Gemeinden in Friesland und Groningen. 1813 gehörte er zu der erlesenen Gruppe von sieben Personen in der Stadt Groningen (insgesamt führt die Liste 99 Personen auf), die 50 Franc oder mehr zahlten.
Der bekannte Groninger Marktkaufmann Jacob van Dam, circa 1929 Nicht alle Mitglieder der Familie Van Dam waren erfolgreiche Unternehmer, wie zum Beispiel der mit Ramschwaren handelnde Marktkaufmann Jacob van Dam, circa 1929.
(Foto: RHC GrA Tg 1785 invnr. 5487)

Hohe Stellung in der jüdischen Gemeinschaft


Sein geschäftlicher Erfolg beeinflusste auch seine Stellung in der jüdischen Gemeinschaft. Als im Herbst 1811 in der Provinz Groningen eine vorläufige Liste von 25 führenden Mitgliedern erstellt werden musste, die am besten den Interessen der jüdischen Gemeinschaft dienen konnten, stand auch der Name von Aron Comprechts van Dam auf dieser Liste.

Es ist anzunehmen, dass seine Heirat mit der Tochter einer prominenten jüdischen Familie wichtig für seinen Erfolg als Unternehmer war. Sie beschaffte ihm das Kapital, ein Geschäft zu gründen, das er zu einem gewinnträchtigen Unternehmen ausbauen konnte. Bei seinem Tod im Jahre 1835 war er ein wohlhabender Mann. Er besaß unter anderem vier Häuser und in der Nähe der Stadt auch noch 19 Hektar Land. Und als Schatzmeister der Gesellschaft Gemiluth Chesadim Kabranim genoss er auch in der jüdischen Gemeinde hohes Ansehen.

Und in Westfalen ...