Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Imo Moszkowicz über die Pogromnacht in Ahlen


Imo Moszkowicz erinnert sich in einem Interview von 1993 an die Pogromnacht in seiner Heimatstadt Ahlen.


Die Haustür wurde aufgebrochen, und plötzlich standen die alle im Flur, wir hatten damals geschlafen, wir Kinder, und wir wurden, verließen unsere Schlafzimmer, aufgeschreckt durch die Rufe der Mutter, und wie wir unten in die Halle, in die kleine Halle des Hauses kamen, stand das bereits voll von braunen Burschen, und sie begannen zu zerschlagen, was sich überhaupt ihnen in den Weg stellte, und als wir über den Hof gingen, wo die Synagoge stand, war bereits die Feuerwehr in voller Aktivität, wahrscheinlich Schutzmaßnahmen zu tätigen, und wahrscheinlich auch, ich sage wahrscheinlich, weil es keinen Beweis dafür gibt, auch diese Synagoge anzuzünden. Man forderte uns auf, laut zu rufen "Die Juden sind Mörder und Verbrecher" und nach anfänglichem Stottern und Stocken wurde, wurden die Herren also aggressiv und wollten uns schlagen und dann begann meine Schwester Rosa, diesen Satz, in den wir Kinder dann irgendwie einfielen, also diesen Satz doch zu rufen, aus Angst geschlagen zu werden. Als wir hier standen, hörten wir zwar das Scheppern von zerschlagenen Schaufensterscheiben, wir hörten hier und da Rufe, aber im Grunde war die Stadt unheimlich still, in meiner Erinnerung. Es zeigte sich überhaupt keine weitere Seele, außer den braunen Uniformierten, als ob die Stadt sich versteckt hätte. Es war ja so, dass wir ja eigentlich schon alles hatten, unsere Schiffspapiere, unsere Einreisegenehmigungen nach Argentinien, alles das war da und wäre dieses Pogrom 48 Stunden später gekommen, wären wir gerettet gewesen aber so war alles verspielt.

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